Ich nähe mir ein Cocktailkleid Teil 2: Nesselmodell(e) nähen

Der zweite „Ich nähe mir ein Cocktailkleid“-Beitrag. Im ersten Teil habe ich das Schnittmuster für mich angepasst, was gar nicht mal so einfach war. Nun geht es endlich ans Nähen.

Aber!

Das Buch empfiehl ein – wenn nicht sogar zwei – Probemodelle aus billigem Nesselstoff zu nähen. Und bei Bedarf das Schnittmuster dann nochmal zu ändern. Und so viel wie ich im Vorfeld im Schnittmuster geändert hatte – da sollte ich dann wirklich eine Probemodell machen.

Irgendwie war ich dann total gestresst: „Wie mache ich das jetzt alles? Wie geht es richtig?“ Im Buch hier und da gelesen, ist da jetzt überhaupt Nahtzugabe im Schnittmuster enthalten? War nicht auf dem Schnittmusterbogen eingezeichnet sondern irgendwo im Buch auf Seite xy vermerkt. Wie mache ich das dann mit dem Probemodell? Mit Beleg, ohne Beleg? Wieder das Buch von vorne bis hinten 🙂 durchgelesen: Aha, also Probemodell ohne säumen, ohne Belege. Dann muss ich ja, damit es richtig passt, am Hals und an den Armausschnitten die Nahtzugabe weg schneiden? Richtig? Wieder war ich total unsicher – dabei nähe ich ja jetzt schon zwei Jährchen. Und früher auch immer mal wieder. Und ein Abendkleid hatte ich mir vor Jahren auch schon mal genäht – aber irgendwie bin ich jetzt hier bei diesem Projekt total unsicher.

Meine ersten Nesselmodelle – aber eine sehr sinnige Idee, wie ich feststellte.

Zunächst machte ich vor lauter Schusseligkeit Fehler bei den Abnähern – und hatte, als das erste Nesselmodell-Oberteil fertig war, gedacht, dass meine Schnittmusteranpassung ja total für die Hose war. Da passt ja nix, noch nicht einmal annähernd. Bis ich dann dahinter gestiegen bin, dass ich die Abnäher auf der Nahtlinie ausgeschnitten hatte! 🙂 🙂 🙂 Es sind nicht meine ersten Abnäher, die ich mache, und dennoch passiert mir so ein dusseliger Fehler!! Aber immerhin konnte ich so an dem ersten Nesselmodell erkennen, dass Vorder- und Rückteil um ca. 3 Zentimeter verlängert werden müssen. Wie ich es ja geahnt hatte – ich hatte ja die Oberlängenanpassung im ersten Schritt vergessen.

Also: zweiter Versuch. Alles brav nach Vorgabe – ohne Fehler ! – genäht. Am Rückenteil habe ich die 1,5 Zentimeter Nahtzugabe für den Reißverschluss umgebügelt und meinen Mann dann gebeten, dort einfach mit Stecknadeln zusammen zu stecken. Tja, das Nesselmodell-Oberteil Nr. 2 war jetzt deutlich besser, aber noch nicht okay.

Hier ein Foto auf der Puppe:

img_20170213_101412-ml

  1. Unter den Achseln war an den Seiten zu viel Stoff. Ist meistens so: ich habe nun nicht eine schöne schlanke Taille und eine Sanduhrform, sondern bin eher gerade. Also: abstecken (siehe Foto) und gleich auch am Schnittmuster geändert.
  2. die Schultern hatte ich im Schritt 1 zu dolle abgeschrägt. einen halben Zentimeter zu viel (siehe Foto). Auch hier neu gesteckt und gleich im Schnittmuster geändert.
  3. der seitliche Brustabnäher war zu weit oben und zu dolle in der Mitte (siehe Foto). Um einen Zentimeter nach unten versetzt und etwas nach außen. Abnäher neu eingezeichnet – so langsam habe ich Erfahrung darin.
  4. im Rücken, da wo der Reißverschluss ist, war im oberen Bereich auf einer Länge von ca. 10 Zentimeter zu viel Stoff. Ich habe einen leicht nach vorne gebeugten Nacken. Im Buch fand ich keine passende Beschreibung für eine Schnittmusteranpassung. Also lies ich meinen Mann einfach seitlich so viel Stoff abstecken bis es dort richtig schön am Körper an lag.

Und dann wieder an den Zuschneidetisch: Nesselmodell Nr. 3 zuschneiden! Ich hatte ja wieder ganz viele Änderungen vorgenommen, da wollte ich auf Nummer sicher gehen. Und viel Arbeit macht es wirklich nicht: ich habe mich ja nur auf das Oberteil beschränkt. Einzeichnen, Nahtzugabe am Hals und am Armauschnitt wegschneiden, ausschneiden, Abnäher nähen, Schulter und Seitennähte schließen, im Rücken die 1,5 Zentimeter umbügeln. Fertig!

Wieder anprobiert, wieder von meinem Mann abstecken lassen. Was soll ich sagen? Dieses Modell passt wie Faust aufs Auge! Was ist das toll! Richtig maßgeschneidert! Wahnsinn! Ich liebe mein Nesselmodell-Oberteil Nr. 3! 🙂 🙂 🙂

img_20170213_101616-mlDen Rock habe ich nicht mehr als Nesselmodell angepasst. Das fand ich nicht notwendig. Zur Berechnung der Stoffmenge für den Rockteil wird einfach die gesamte Taillenbreite des Oberteils gemessen und 3 Zentimeter Nahtzugabe dazu addiert. Dann werden in bestimmten Abständen Markierungen gemacht, die Quetschfalten gelegt, festgeheftet und anschließend wird das Rockteil an das Oberteil genäht. Abschließend Reißverschluss rein und säumen. An dem Nesselmodell könnte ich höchstens die Länge prüfen, aber das kann ich am fertigen Rock auch. Die genaue Lage der Taille habe ich jetzt bereits an dem Oberteil-Nesselmodell festlegen können. Also habe ich mir diese Arbeit gespart: 3 mal Oberteil probegenäht reicht auch aus!

Eure Charla, die begeistert von diesem Mehraufwand ist: so hilfreich das Ganze!

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2 Gedanken zu “Ich nähe mir ein Cocktailkleid Teil 2: Nesselmodell(e) nähen

  1. Danke für den Text! Nesselmodelle nähen ist hier bei mir auch gerade ein Thema. Ich plane für den Sommer ein hübsches Somemrkleid aus Baumwolle und meine Figur ist auch nicht von der Stange, so dass ich immer anpassen muss. Bei Baumwolle kann man dann ja auch nicht schummeln… Gut zu lesen, dass sich der Aufwand so lohnt 😀

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