Mein zweites Hemd – nachdem das Brett vor dem Kopf weg war ging es ganz einfach!

Vor genau einem Jahr habe ich mein erstes Hemd genäht – am 2. Mai 2016 habe ich darüber hier berichtet. Wie ist es diesem Hemd ergangen? Nun ja: es hing im Dunklen. Im Kleiderschrank. Plötzlich hatte mein Sohn keine Lust mehr Hemden zu tragen. Grmpf. Da macht man sich die Mühe – irgendwie hatte ich in Erinnerung „war doch gar nicht schwer“ , aber nachdem ich mir meinen Beitrag vom letzten Jahr noch einmal durch gelesen habe, schien ich wirklich ganz schön Mühe mit dem Teil gehabt zu haben – und dann wird es nicht getragen. Aber vor ein paar Wochen, da zeigte er auf das Hemd und meinte: „Das will ich anziehen!“ Na toll, jetzt erst. Ihr könnt euch vorstellen: zu klein!

Es sitzt nun recht eng und ist viel zu kurz, aber die Ärmel, die passen noch. Wenigstens etwas 🙂 . Dennoch: anziehen kann er es nicht mehr. Also nähte ich ein Neues. Und zu meiner größten Freude (Freutag!) passt es wie Faust aufs Auge.

Es kam eins zum anderen:
1. mein Sohn wollte wieder Hemden anziehen,
2. mein Mann gab mir eins von seinen, ob ich die Tasche reparieren könne (konnte ich nicht, er war hängen geblieben und die Tasche war komplett an beiden Seiten aufgerissen und zerfranst),
3. in drei Wochen ist die Kommunion meines Patensohnes, wo die komplette Familie etwas heraus geputzt erscheinen möchte und
4. hatte ich soeben die Ottobre 1/2016 am Kiosk in einer Doppelausgabe gekauft – und siehe da: auf Seite 4 ist ein tolles Hemd!

Also: ein Hemd für den Sohn aus Papas alten Hemd, nach dem Ottobre-Schnittmuster. Das alte Schnittmuster von meinem ersten Hemd war zu weit für meinen schmalen Sohn und weil ich das Gefühl habe, dass er in dem Jahr viel mehr in die Länge als in die Breite gewachsen ist, wollte ich einen neuen Hemdschnitt ausprobieren. Da kam die Ottobre gerade recht. Der Clou an diesem Schnittmuster: der Kontraststoff am Kragen, den Manschetten, am Ärmelschlitz und an der Knopfleiste:

Recycling pur. Zwei Hemden vom Papa wurden angeschnitten. Sogar die Knöpfe habe ich wieder verwendet – die sind von dem grauen Hemd. Es war eine ganz schöne Friemelei, alle Schnittteile aus dem karierten Hemd heraus zu bekommen. Ich habe Größe 128 genäht – für eine Nummer größer wird Papas Hemd nicht mehr zu verwenden sein. Die Tasche habe ich abgetrennt und wieder verwertet, nur ein bißchen schmaler geschnitten Die Stelle, wo die Tasche ursprünglich angenäht war, ist ein bißchen durchlöchert – ich hoffe, das verschwindet noch ein bißchen.

Ich überlegte, ob ich z. B. die Manschetten übernehmen könnte, aber das war zum einen zu viel Friemelei, zum anderen sollten die Innenseiten ja aus Kontraststoff genäht werden.

Ich finde das Design mit dem Kontraststoff ganz schön – es ist dadurch etwas aufgelockerter. Aber damit fing der Kampf an: ich verstand noch nicht einmal, was ich woraus ausschneiden sollte und wie dann die Knopfleisten genäht werden sollten. Eine große Fragerunde in der Facebook-Ottobre-Gruppe began: und siehe da. Ich bekam Hilfe. Ich konnte meine Fragen stellen und bekam ausführlich Antwort und einen Link auf ein YouTube-Video. Super! Herzlichen Dank für die Hilfe!

Zum Schluss nähte ich dann nach der Anleitung aus der Ottobre (Schritt für Schritt und alles genau lesen, dann verstehe auch ich diese Anleitungen), nach Ebook des ersten Hemdes (Hemd Oskar von ki-ba-doo) und nach dem YouTube-Video von Marina Brumpton („How to sew a shirt“). Grandios! Ich habe es sogar gewagt, die hintere Passe doppelt zu legen, damit die Nähte verschwinden – das war ursprünglich nicht vorgesehen.

Die einzelnen Schritte:

  1. Knopfleiste nach Ottobre-Anleitungn und Erklärung aus der Facebook-Gruppe: einfach! Eine Streifenversäuberung und ein einfacher Beleg.
  2. Tasche annähen. Mit Hilfe des Videos: einfach!
  3. Kragen vorbereiten: nach Ottobre-Anleitung und Video: einfach!
  4. Kragen zusammen und annähen: nur nach Ottobre-Anleitung, weil mein Computer blockiert war. Tochter lernte „Wie-Wörter“  mit dem Lernprogramm. Aber, oh Wunder, nach ganz genauem Durchlesen und Vorstecken war auch das: einfach! Allerdings hatte ich einen Tag zuvor mal in das Video „reingeschnuppert“ und war zufällig beim Kragen gelandet. Das hatte ich mir also schon angeguckt und das war sehr hilfreich
  5. Ärmelschlitz: Erst nach Anleitung vorbereitet und dann Video geguckt. Schade, ich hatte vier Schnitte zu viel gemacht, das Video konnte mir nicht mehr helfen. Also doch die Anleitung. Gelegt, gesteckt, gebügelt … hmh. Nicht mehr einfach. Nachgelesen, Bilder angeguckt, Bilder nicht verstanden, nach „Gefühl“ gesteckt und überlegt wie es hinterher aussehen muss – genäht. Fertig. Nicht ganz einfach, aber wenn man das Prinzip verstanden hat ist das auch machbar.
  6. Ärmel einsetzten. Hier kam zum ersten Mal der Nahttrenner zum Einsatz. Den zweiten Ärmel hab ich falsch herum, rechts und links vertauscht, angenäht. Ein Tipp: bevor ihr absteppt prüft ob alles richtig ist!!! 🙂 Außerdem hatte ich die Kante nicht versäubert – habe ich im Nachhinein mit einem ganz kleinen ZickZack-Stich gemacht, ich hoffe, das hält.
  7. Manschetten annähen: nur nach Video gemacht. Die Anleitung aus der Ottobre hat mir nicht weitergeholten, weil der Ärmel zu breit war und ich eine Falte legen musste. Bei dem Hemdenschnitt im Video war eine Falte von Anfang an vorgesehen, da wurde genau gezeigt, wie die gelegt werden musste. Wie sollte das nach der Ottobre-Anleitung funktionieren? Da war kein Wort von „Falte legen“, aber zuviel Stoff hatte ich, das stand fest.
  8. Saum abketteln und umnähen: einfach.
  9. Knopflöchter und Knöpfe annähen: hier gab mir das Video, das ich wirklich empfehlen kann, hilfreiche Tipps, wo genau die Knöpfe plaziert werden sollen und wie man am besten die Knopflöchter anzeichnet.

Und dann war es fertig. Einen Abend habe ich für das Zuschneiden und Fragen stellen gebraucht, einen Tag zum Nähen und am zweiten Tag mussten nur noch die Manschetten, die Knopflöcher und die Knöpfe ran.

Die Anprobe wurde tagsüber kategorisch verweigert, aber abends wurde dann Fashionshow gemacht: Das Hemd passt wie Faust aufs Auge!!! Das ist so grandios, ich freue mich tierisch! Und was mir total gut gefällt: jetzt läuft er wirklich wie Papa rum! Er will das Hemd gleich morgen anziehen.

Eure Charla, die hofft, dass dieses Hemd etwas länger hält: der Stoff ist so hauchdünn, der wird bestimmt bald irgendwo einreißen 😦

Verlinkt bei Kiddikram Mai, Made4Boys, Freutag #203 und Upcycling Linkparty Mai

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5 Gedanken zu “Mein zweites Hemd – nachdem das Brett vor dem Kopf weg war ging es ganz einfach!

  1. Zu meinem Verweis zu Marina Brumpton: bei der Google Suche kommt ihr nur zum englischen Video. Wenn ihr „Marina Brumpton wie man ein hemd näht“ eingebt, kommt direkt an erster Stelle das deutschsprachige Video. Es lohnt sich echt!
    lg Charla

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  2. Hemden nähen ist gar nicht so einfach, aber du hast das mit bravour gemeistert. Richtig akkurat und sauber genäht! Ganz toll finde ich deinen ausführlichen Bericht dazu und die einzelnen Schritte. übrigens sind blusen auch nicht minder aufwendig 🙂
    danke fürs teilen von diesem tollen Hemd ❤
    liebe grüße
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    1. Danke schön. Ja, ich bin auch ganz stolz darauf. Eine Bluse habe ich noch nicht genäht – bi nicht so der Blusentyp. Aber ein zweites Hemd für meinen Sohn nähe ich noch: von den Stoffen her genau umgekehrt, grau mit karierten Akzenten. 🙂 Na, und zu dem „sauber genäht“ sage ich jetzt mal nichts … an ein paar Stellen könnte es besser sein, aber das mache ich dann beim nächsten.
      lg Charla

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