Lange Reise bis zum „Lieblingskleid“

Kennt ihr das auch? Während ihr an einem Nähprojekt sitzt schwirren euch lauter Gedanken durch den Kopf, was als nächstes genäht wird. Und wenn dann das Projekt fertig ist und man sich dem neuen widmen kann: erst einmal gähnende Leere!

Oft brauche ich dann erst einma zwei drei Tage Nähpause, bis ich wieder einsteigen kann. Auch muss ich häufig über ein Projekt erst einmal nachdenken: wie genau mache ich das? Ist meine erste Idee wirklich die beste? Gibt es noch andere Möglichkeiten. Oft ist es dann so, dass ich am nächsten Morgen dann die rettende Idee habe oder das gefunden habe, was das Projekt erst richtig toll macht.

Es kommt sehr oft vor, dass ich bestimmte Projekte einfach nähen muss, weil der Bedarf da ist oder mir ein Termin im Nacken sitzt. Ein Geschenk das fertig werden muss, der Termin für die Feier, wo dieses Cocktailkleid fertig sein musste oder die Kommunion, für die ich dieses Hemd, das Federleicht-Kleid und die „Strickjacke“ genäht habe, standen natürlich schon lange fest, oder ganz einfach: es fehlten Unterhosen! Dann gibt es kein wenn und aber, dann kommt genau dieses Projekt an die Reihe und fertig.

Diesmal war es anders. Diesmal konnte ich mir etwas von meiner To-Sew-Liste aussuchen. Hier schon einmal das Endprodukt:

Bevor ich anfing dieses „Lieblingskleid“ von Fred von Soho zu nähen, hatte ich erst einmal einen kleinen Hänger. Ich wußte zwar so einiges, aber es war alles noch so schwammig:

  1. ich wollte eine Applikation mit Paillettenstoff machen,
  2. es sollte ein Kleid oder ein langer Pulli für meine Tochter werden und
  3. ich hatte drei verschiedenen „Hauptstoffe“ zur Auswahl.

Aber was genau wie und warum und überhaupt?

Ich fragte meine Tochter: „Soll ich dir ein Kleid mit langen oder mit kurzen Ärmeln nähen? Oder lieber ein längeres Shirt?“
Tochter (sehr bestimmt): „Kleid mit langen Ärmeln!“

Also kamen zwei Stoffe in die engere Auswahl, beides Sommersweat. Den Jersey hebe ich mir für was kurzärmliges auf. Ich wählte dann diesen Sternenstoff, weil es das erste Mal ist, dass ich Wendenpaillettenstoff appliziert habe. Da ist es sinnvoller, ein einfaches Motiv mir geraden Kanten zu wählen – dachte ich mir. Keine Rundungen, wie es bei dem anderen Stoff der Fall gewesen wäre.

Und das ist mir – hier muss ich mich jetzt mal selber loben, ähem – unglaublich gut gelungen! Ich habe am Rand alle Pailletten mit einer feinen Schere abgeschnitten (uff, das war eine Arbeit!) und den so „frei gewordenen“ Stoff mit einem engen Zick-Zack-Stich (wie üblich beim Applizieren) aufgenäht. Man könnte auch über die Pailletten hinweg nähen – die halten das aus – aber dann lassen sie sich an dieser Stelle nicht mehr wenden. So wie ich es gemacht habe, kann man alle bis zum Rand hin von Gold in Silber verwandeln. Vliesofix vorher drunter gebügel, Stickvlies unter alles gelegt – alles ganz einfach.

Also: Stoff gefunden. Aber: welches Schnittmuster? Ich klickte durch meine Ebooks, das eine kam nicht in Frage, weil es eher für Jersey gedacht ist. Das andere ist ein Longpulli – sie wollte ja ein Kleid. Zum Schluss hatte ich zwei in der näheren Auswahl. Das Los fiel auf das Lieblingskleid von Fred von Soho, weil ich im Lookbook das Kleid von Birgit von „selbermachen macht glücklich“ so toll fand. So ähnlich will ich es auch machen! Hier ist meine Version:

Ich wählte für den Rockteil Summerjeans von Lillestoff, von dem ich mir mal extra mehr gekauft habe. Ich liebe den Stoff. Da wird noch mindestens eine Hose von genäht, wenn es passt auch zwei. Am Saum mit Sternchenzierstich abgesteppt – was war ich happy, dass der Stoff sich nicht verzogen hat, sonst hätte ich total krumm und schiefe Sterne bekommen.Der rosa Sternchenglitzerstoff ist Sommersweat, ich glaube aus dem örtlichen Stoffladen. Den Wendepaillettenstoff habe ich von Stick & Style – hat nicht mehr jeder Laden, der große Run darauf scheint vorbei zu sein. Aber mein Tochter liebt ihr Kleid , da war ich mir von Anfang an so etwas von sicher! Die Hände stehen nicht still. Da ist es egal, ob das nicht mehr „in“ ist!

Mal in Gold:Und schwuppst – mal in Silber:

Leider leider ist es doch enger als ich gedacht habe. „Bequem sitzen“ heißt es im Ebook und „Größenwahl richtet sich nach Körpergröße“. Okay, Kind ist 135 cm groß, das Kleid soll nicht wie ein Sack an ihr hängen und es sieht auf allen Bildern recht weit aus. Also wählte ich Größe 134. Allerdings stand im Ebook auch „liegt das Kind zwischen zwei Größen IMMER die Größere wählen“. In Großbuchstaben und fett! Hätte ich mir das zu Herzen nehmen sollen? 🙂

Es passt, aber es hätte etwas weiter und länger sein können. Auch musste ich die Ärmel um 7 cm verlängern (ich habe dort ein Bündchen angenäht) und am Hals den Beleg wegschneiden und ebenfalls Bündchen annähen. Beide Lösungen passen gut zu dem sportlichen Look, den das Kleid durch den Lagenlook an den Ärmeln bekommen hat. Nur Sternchenstoff war mir zuviel.

Ich finde dieses Schnittmuster schreit nach einer großen Applikation, weil oben soviel Stoff ist. Das bringt Harmonie rein… hach, jetzt werde ich aber ganz schön … wie auch immer … ich freue mich einfach über das tolle Kleid und dass meine Tochter so begeistert ist.

Ich habe sogar ein bißchen gehübscht, aber nur, weil die eine Kellerfalte partou nicht so wollte wie ich. Zweimal aufgetrennt, zweimal auseinander gerutscht. Dann waren da soviel Nähte drum rum, dass ich keine Chance mehr zum Ausbessern hatte. Also: Schleifchen und Sternenknopf drüber 🙂 .

Was ich lustig finde, dass mein Töchterchen den Rockteil so schön findet. Den ganzen Tag drehte sie sich und zuppelte dran rum – vielleicht sollte sie doch mehr Röcke und Kleider tragen?

Eure Charla, die nun wieder nicht weiß, was als nächstes genäht werden soll, so viel schwirrt in meinem Kopf herum…

Verlinkt bei creadienstag #279, HoT #100, Made4Girls Mai 2017

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