Das „Mammutprojekt“ – Weihnachtsgeschenk: eine Collegejacke

20.08.2016 – Die Idee
Ich hatte Ende Sommer – an meinem 45. Geburtstag 😦 – mit meiner besten Freundin, mit der ich seit der 5. Klasse befreundet bin – also inzwischen an die 35 Jahre (!) – über die vergangene Zeit lamentiert. Ach ja, was waren wir jung! Und soviel ist passiert… Soviel Schönes und soviel Trauriges. Beim Traurigen kamen wird dann zu einer ganz besonderen Jacke: diese Collegejacke, die sie damals Ende der 80er / Anfang der 90er Jahren so gerne getragen hatte. Ich habe die Fotos einfach abfotografiert – dafür ist das doch eine tolle Qualität, oder?

Zu der Zeit hatte sie ihren Freund und jetzigen Mann kennen gelernt. Wahrscheinlich sogar in dieser Jacke 🙂 . Und irgendwann im Laufe der Zeit hatte sie diese weggeben – man kann ja nicht alles aufheben. Und jetzt ist sie ganz traurig darüber.

Und bereits da kam mir schon der Gedanke, ihr eine neue zu nähen.

17.10.2016 – Recherche
Ich mal hier, mal dort solch eine Collegejacke im Internet gesehen, eine ganz tolle Variante, allerdings mit Raglanärmel z.B. bei Fräulein B. Grandios. Ich kramte die Fotos, die ich oben gezeigt habe, von 1990 raus (wir waren in der 12. Klasse! Wahnsinn!), auf dem meine Freundin ihre „Y-Jacke“, wie sie sie wegen der Applikation auf der Brust nannte, an hatte. Die Jacke hatte normaler Ärmel, sogar recht weit überschnitten. Ich machte mich weiter auf die Suche nach einem Schnittmuster. Schade, der Blouson-Schnitt der Jacke Janince von Pattydoo hat auch leichte Raglan-Ärmel. Fündig geworden bin ich dann bei Mamahoch2 und diesem ganz tollen Tutorial. Danke dafür! Und bei Fred von Soho gibt es dann sogar einen fertiges Collegejackenschnitt „Mamas Herzblatt“.

So gewappnet machte ich mutig an die Aufgabe. Ich kaufte auf der Infa.Kreativ ganz mutig weißes Kunstlederimitiat – die Jacke soll so weit wie möglich wie die alte werden und die hatten früher nun mal Lederärmel. Vorder- und Rückenteil waren in dunkelgrau – aber was für ein Stoff? Er war etwas fester, kein einfacher Sweat. Die Jacke war auch etwas dicker – war sie gefüttert? Der Außenstoff war eher wie Filz… also Walkloden vielleicht? Oder Mantelstoff? Ich suchte weiter im Netz und bin auf eine Collegejacke gestoßen, die aus Fleece genäht wurde. Ja, das ist es! Grauer Fleece.

19.10.2016 – Das Schnittmuster
Letztendlich habe ich mich für Mamas Herzblatt von Fred von Soho entschieden. Ich habe extra dort nachgefragt, ob wohl Kunstleder für die Ärmel ginge oder ob das zu eng ist. Mit Kunstleder wurden die Ärmel noch nicht genäht – jedenfalls ist es nicht bekannt – aber mit Jeans. Also könnte es eigentlich klappen. Ich war trotzdem skeptisch – gebranntes Huhn oder wie heißt das? Bei den Herbstjacken für meine Kinder musste ich ja nacharbeiten weil sie zu eng waren. Die Maße von meiner Freundin hatte ich erhalten, der Schnittmusterbogen lag zusammen geklebt vor mir. Nun wurde es ernst. Welche Größe nehme ich nun? Sie lag zwischen zwei Größen – lieber kleiner oder etwas größer? Hhm, son Mittelding, an den Ärmeln und Oberweite lieber die größere. Dann musste ich aber die Ärmel kürzen. Und die Jacke in der Länge sowieso – meine Freundin ist 1,58 m groß 🙂 . Ich habe also hier geschnitten, dort gekürzt, hier Linien gezogen – und hoffte, dass alles passt. Wäre schade, wenn nicht.

20.10.2016 – Stoff ausschneiden
Von dem Kunstleder hatte ich ja nur ein kleines Stück – es hat trotzdem alles perfekt gepasst. Die Ärmel musste ich doch 3 cm kürzer machen, sonst hätte ich die Streifen für die Taschen nicht mehr ausschneiden können. Und die wollte ich unbedingt in Leder haben – wie bei der Originaljacke. Daher gibt es auch wieder ein „Y“ statt des Anfangsbuchstabens des Namens meiner Freundin, wie ich es sonst gemacht hätte. Das „Y“ habe ich per Hand mit Lineal gezeichnet und mich dabei an das Foto oben gehalten.

img_20161214_154038-y-mlZum Schluss lag alles aus Stoff bzw. Leder ausgeschnitten vor mir: Waah!! Sieht das kurz aus!!! War ich doch zu großzügig, als ich in der Länge gekürzt habe? Nun gut, nicht mehr zu ändern.

10.11.2016 – Das Nähen
Nun lag das gute Stück erst einmal eine Weile rum. Zum einen, weil ich etwas erschrocken war über das was ich da ausgeschnitten hatte. Das wird doch nie passen! Dann weil das Probenähen der Steppo dazwischen kam. Und der Hauptgrund: weil man mit der Paspeltasche anfängt und das hörte sich ganz schön kompliziert hat. Dann hatte ich aber einen Vormittag Ruhe und konnte mich konzentriert dran setzten. Und siehe da? Gar nicht schwer. Dank der tollen Anleitung hat mit den Taschen alles prima geklappt – auch mit Kunstleder. Hier ist das Ergebnis:

img_20161214_154224ml11.11.2016 – Die Fertigstellung
Ich konnte am darauf folgenden Tag gleich die Jacke fertig stellen. Bis auf die Ärmel, die wurden nach Anprobe gekürzt.

img_20161214_154113mlMit Saumbündchen dran sieht die Jacke gar nicht mehr zu kurz aus und die Ärmel könnten auch weit genug sein. Der Ausschnitt ist leider etwas weit, warum auch immer, aber es geht noch gerade so. Ach Mensch, ich war ganz hibbelig, ich wollte, dass meine Freundin sie sofort anprobiert!

20.11.2016 – Endlich Anprobe
Meine Freundin wohnt über 200 km weit weg, daher musste das mit der Anprobe genau geplant sein. Ich hatte auch schon überlegt, ob ich ihr die Jacke und die Ärmelbündchen mit der Post zuschicke, so dass sie die Ärmel dann selber auf die richtige Länge kürzen und dann die Bündchen annähen kann. Aber ich wollte doch bei der Anprobe dabei sein. War ganz hibbelig. Auf einen Sonntag dann hingefahren, ausgiebig gequatscht und Jacke übergeben. Freundin hat sich gefreut – ich dagegen war etwas enttäuscht. Wie befürchtet, habe ich in der Länge etwas zu viel weggeschnitten, die Jacke hätte ruhig 3 cm länger sein können. An den Oberarmen auch etwas knapp, aber es ist okay. Der Ausschnitt ist etwas zu weit, aber auch okay. Die Ärmel dagegen muss ich nur um ca. 1,5 cm kürzen, mehr nicht.

17.12.2016 – Übergabe
Ich nahm die Jacke wieder mit und stellte sie zu Hause fertig.

img_20161214_154038mlimg_20161214_154136mlBeim Besuch meiner Freundin hier bei uns einen Monat später wurde dann die Jacke übergeben – allerdings schön verpackt als Weihnachtsgeschenk für unter den Tannenbaum. 🙂

Fazit:
Es war ein tolles Projekt, die Jacke ist trotz allem gut und ist auf jeden Fall gut angekommen. Die Überraschung ist geglückt – und das ist die Hauptsache. Die Ähnlichkeit mit der alten Jacke ist mir doch gelungen, oder?

Für mich werde ich auch noch ein Herzblatt nähen – Kunstlederimitat hatte ich für mich gleich mit gekauft 🙂 .

Eure Charla

Verlinkt bei AfterWorkSewing und Mittwochs mag ich

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2 Gedanken zu “Das „Mammutprojekt“ – Weihnachtsgeschenk: eine Collegejacke

  1. Die Jacke sieht wirklich toll aus und kommt dem Original super nah! Und was für eine tolle Freundschaft, wenn man so ein Mammutprojekt für jemanden macht, muss das ja ein ganz besonderer Mensch sein! Ich musste dabei sehr an meine beste Freundin denken, denn auch wir kennen uns seit 35 Jahren! Wunderbar!
    Herzliche Grüße, Tyrsten

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    1. Danke, die Jacke ist auch super angekommen. Teilweise etwas knapp, aber mit einem dünnen Shirt dadrunter kann sie die Jacke anziehen. Ja, diese Freundin bedeutet mir sehr viel – in 35 Jahren hat man sehr viel miteinander erlebt.
      lg Charla

      Gefällt 1 Person

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